Keine heile Welt für Pflegebedürftige

Der nachfolgende Text entstammt dem Main-Echo vom 12. Dezember 2011

Erlenbach. Auch im Landkreis Miltenberg herrscht für Pflegebedürftige keine heile Welt mehr. Immer weniger Familienverbände und immer mehr berufstätige Angehörige bedingen auch in der ländlichen Region, dass professionelle Hilfe für Pflege in Anspruch genommen werden muss. Doch wie die Mitarbeiter des Arbeitskreises Pflege der Arge der freien Wohlfahrtsverbände und anderer Sozialinstitutionen im Landkreis Miltenberg in ihrer Sitzung in Erlenbach  feststellten, herrscht auch im Landkreis Fachkräftemangel.

Zustand ist unbefriedigend

"Solange unsere Schüler Schulgeld für ihre Ausbildung bezahlen müssen, wird der Altenpflegeberuf ein Mangelberuf bleiben und immer mehr an Attraktivität verlieren", beschreibt Beate Höltermann, Leiterin der BRK-Altenpflegeschule in Erlenbach, den unbefriedigenden Zustand. Immer weniger Fachkräfte sollen in Zukunft für immer mehr pflegebedürftige Menschen sorgen. Eine Rechnung, die nich aufgehen kann. Einen Schlüssel zur Verbesserung der Situation und zu einer menschenwürdigen Pflege sieht Gehard Schuhmacher, Sprecher des Arbeitskreises, in einer Verstärkung der ehrenamtlichen Engagements in der Pflege. Doch wie können Begeisterung und ehrenamtliches Potenzial geweckt werden? In Stadt und Landkreis Aschaffenburg wurden hierfür die ersten Ehrenamtscards vergeben. Rabatte in Geschäften, Nachlässe bie Kulturveranstaltungen und vieles mehr sind mit der Karte möglich. Sie ist ein zusätzliches Instrument, das Engagement würdigt. Helmut Monert, Mitorganisator des Erlenbacher Essendienstes, sieht dies Art der materiellen Anerkennung kritisch:"Eine Entlohnung der Ehrenamtlichkeit kommt für mich nicht in Frage." Gerhard Schuhmacher lobte seine Einstellung, wies aber auf den Wandel im Ehrenamt hin:"Das konservative Verständnis des Ehrenamts ist am aussterben. Wir müssen neue Formen, mit kurzfristigen Engagements anerkennen uns sie fördern." Als Beispiel für eine eine gelungene Umsetzung der Verknüpfung zwischen Wünschen der Ehrenamtlichen und den Anfragen Hilfebedürftiger nannte Gerhard Schuhmacher "Main Ehrenamt Erlenbach", bei dem Ehrenamtliche ihre Fähigkeiten und zeitlichen Ressourcen nach eigener Vorstellung einbringen können.

Ehrhardt für die Ehrenamtscard

Rüdiger Ehrhardt, Geschäftsführer der Johanniter Miltenberg und Leiter des Arbeitskreises, bestätigte dies. Auch er würde die Einführung der Ehrenamtscard begrüßen und bekräftigte aus Erfahrung, dass neue Strukturen geschaffen werden müssen, bei denen auch hauptamtliche Ansprechpartner un Betreuer zur Verfügung stehen. Wolfgang Zöller, Patientenbeauftragter der Bundesregierung, informierte über die Pflegereform. Daraus wurde ersichtlich, dass Ehremat und Selbstverantwortung immer mehr gefragt werden. "Die Pflegeversicherung ist keine Vollkaskoversicherung", so Zöller. Kernpunkt der Pflegereform, die im Sommer 2012 verabschiedet werden soll, ist die Einstufung nach dem Grad der Selbstständigkeit in eine von fünf Pflegebedürftigkeitsstufen. Eine bedachtsame Umsetzung, um keinem bisher bereits Pflegebedürftigen schlechter zu stellen, ist für ihn das vordringliche Anliegen. Die Pflegereform soll darüber hinaus zum Abbau von Bürokratie beitragen. Ein erster Schritt wurde von der Bundesregierung bereits umgesetzt. Mit Ombudsfrau Elisabeth Beikirch wurde eine neue zentreale Anlaufstelle geschaffen, die Vorschläge von Bürgern und Pflegepersonal zur Reduzierung der Dokumentationflut entgegennimmt. Neu ist auch die "Unabhängige Patientenberatung Deutschland" (UPD), die mit 21 regionalen Beratungsstellen, unter anderem in Nürnberg, seit Januar 2011 die REchte der Patienten verstärkt, informiert und berät. Das bundesweite, kostenfreie Beratungstelefon der UPD ist im Internet unter http://www.unabhaengige-patientenberatung.de/../upd-beratungstelefon.html"_/o (öffnet internen Link im aktuellen Fenster) oder unter der kostenlosen Telefonnummer 0800/0117722 erreichbar.

Verständliche Regelung

Das Patientenrechtegesetz wird, anstatt wie bisher auf viele Gesetze verteilt, im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) verankert, bringt auch für juristische Laien verständliche Regelungen und unterstützende Instrumente wie beispielsweise die Einrichtung von Patientenfürsprechern in Krankenhäusern. Aktiv beteiligt sich das Landratsamt Miltenberg über die Stiftung Altenhilfe und die Investitionskostenförderung an Anschaffungen und Investitionen in den stationären und ambulanten Einrichtungen im Landkreis. Die Mitteilungen von Sozialamtsleiter Manfred Vill, dass im Landkreis eine Mittelkürzung momentan nicht diskutiert werde, erfreute die Teilnehmer. Das Budget für die Investitionskostenförderung beträgt für dieses Jahr 90000 Euro in den Haushaltsberatungen eingebracht. Ein geistliches Wort in die, oft gar nicht so stille und besinnliche Zeit, gab Dekan Franz Leipold, Stellvertretender Vorsitzennnder der Caritas St. Johannes, den Teilnehmern mit auf den Weg: "Verschwenden Sie ihre Zeit nicht für Strukturreform und Verteilungskämpfe, sondern verschenken Sie Zeit an ihre Nächsten, an die Menschen, die ihnen anvertaut sind."

red

 

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